[:de]Sehr herzlich wurde ich von Ingrid Hirni vom Kindergarten in Hirzenbach in Zürich begrüßt.Und dann ging es auch bald los: 35 neugierige Kinder und ihre Eltern saßen vor mir. Ich erzählte die Geschichte „Schneebären lügen nie“ von SAID, illustriert von Marine Ludin.
„Habt ihr schon mal gelogen?“, fragte ich die Kinder zu Beginn der Lesung. Ein kollektives Nein war die Antwort. „Also ich habe schon mal gelogen, ein paar Mal sogar“, sagte ich. Daraufhin kamen ein paar ehrliche Jasager zu Tage. Und schon waren wir mittendrin in der Geschichte. Kinder sind ein dankbares wie anspruchsvolles Publikum. Bei ihnen gibt es keine gespielte Aufmerksamkeit, kein höfliches und gelangweiltes Durchhalten beim Zuhören einer schlecht erzählten Geschichte. Noch nicht einmal ein unterdrücktes Gähnen. Wenn du sie langweilst, bekommst du es ziemlich schnell mit, durch lautstarke Gespräche mit dem Nachbarn, Gähnen mit oder ohne Hand vor den Mund und vieles mehr.
Ich muss zu 100% präsent sein, damit der Funke überspringt. Wenn du Kinder begeistern kannst, dann sind sie das tollste Publikum. Totales Mitgehen mit der Geschichte, blitzschnelle Antworten auf Fragen, ganzer Körpereinsatz, wenn es spannend wird. Wer das ein paar Mal erlebt hat und dann mal wieder für Erwachsene liest, ertappt sich vielleicht während einer Lesung bei dem Gedanken: „Wieso bewegen die sich nicht?, mein Protagonist besteigt doch grade ein sinkendes Schiff!“. Oder „Wieso ruft hier niemand rein, wenn sie doch die Lösung längst kennen?“ Vor jeder Lesung versuche ich mich zu sammeln, zur Ruhe zu kommen, den Raum mit Anwesenheit zu füllen und einen Raum für die Geschichte zu schaffen. Ist mir das gelungen, dann verlasse ich diesen Raum glücklich. Das ist das Glück des Geschichtenerzählers.
Kristina Lemke, DIE BUCHPATEN
[:en]I was warmly welcomed by Ingrid Hirni from the kindergarten in Hirzenbach , Zurich. And then it already started: 35 curious children and their parents sat in front of me. I told the story „Snowbears never lie“ by SAID, illustrated by Marine Ludin.
„Have you ever lied?“, I asked the children at the start of the participation reading. One big „No!“ came back. „Well, I’ve lied before, even a couple of times“, I said. That was when a couple of truthful yeasayers appeared in the crowd. And all of a sudden, we found ourselves in the middle of the story. Children are a very thankful as well as challenging audience. They cannot fake attention. If a story is badly told, children will not politely hang on. They will not even keep their yawns to themselves. When one bores children, one will feel it instantaneously thanks to their audible discussions with each other and other noisy behaviour.
I must be present 100% of the time in order that my fascination spark their own. If one can enthuse children, they turn out to be the greatest audience. A complete absorption into the story, answers to one’s question at lightning speed, their whole body reacts when the story gets exciting. Whenever one has read a couple of times for children and then again for adults, one will soon think during the storytelling: „Why aren’t they moving? My protagonist is just climbing on board of a sinking ship!“ or „Why isn’t anyone hollering the answer if they already know it?“ Before each participation reading I try to gather myself, get calm, fill the room with my presence and create an environment in which the story may flourish. And when I accomplish that, I leave the room overjoyed. Such is the fortune of a storyteller.
Kristina Lemke, DIE BUCHPATEN
[:]
