Kategorie: Allgemein

  • [:de]Eintauchen in die Entstehung eines Bilderbuchs mit Jörg Mühle[:]

    [:de]

    Wie die Bilder in die Bücher kommen

    Habt ihr euch eigentlich mal gefragt, wie die Bilder in die Bücher kommen und wer die macht? Denn Bücher wachsen ja bekanntlich nicht an Bäumen und die Ideen dazu fallen nicht vom Himmel. Dahinter steckt harte Arbeit, viel Hirnschmalz und natürlich eine gehörige Portion Kreativität. Wir haben uns mal umgehört unter den Bildermachern und jemanden gefunden, der sich richtig gut mit dem Thema auskennt.

    Jörg Mühle ist freier Illustrator und Teil der labor Ateliergemeinschaft in Frankfurt am Main. Er macht wunderschöne Illustrationen für Verlage wie Beltz & Gelberg, Moritz, Klett Kinderbuch, Carlsen, Hanser und Randomhouse sowie eigene Bücher.

    Und er hat sich die Zeit genommen, uns ein bisschen was darüber zu erzählen, wie Bilder in Bücher kommen, was ihn inspiriert und wo es auch mal hakt beim Büchermachen.

    Erzählen Sie uns kurz, wie ein Buch entsteht, an dem Sie mitarbeiten? Wie läuft Ihre Arbeit mit den Verlagen ab?

    Ich habe 15 Jahre ausschließlich als Illustrator gearbeitet und das läuft so: Verlage bieten mir Texte an, zu denen ich die Illustrationen mache. Wir vereinbaren die Rahmenbedingungen – Honorar, Abgabetermin, Format und Anzahl der Illustrationen – und anschließend arbeite ich relativ unabhängig an den Bildern.

    Das Cover wird abgestimmt und ich mache Skizzen dafür. Sie werden umgearbeitet oder freigegeben, vielleicht gibt es Farbvarianten und schließlich eine Reinzeichnung.

    Bei Innenillustrationen habe ich in der Regel große Freiheit. 

    Arbeiten Sie mit den Textern zusammen oder sind das voneinander unabhängige Arbeitsschritte – Buch-Illustrationen und Buch-Texte?

    Die Autoren der Texte werden nur in sehr seltenen Ausnahmefällen einbezogen. Manche habe ich (später) kennengelernt, viele nicht. 

    Kommt es vor, dass Sie mit Ihren Ideen an Verlage herantreten? 

    Vor ein paar Jahren habe ich mich entschieden, eine meiner eigenen Buchideen einem Verlag anzubieten. Das hatte ich bisher immer vor mir hergeschoben, doch nach der Geburt meiner Tochter wollte ich es endlich probieren. Nun hatte ich großen Respekt vor dem Schreiben, aber auch vor all der anderen Arbeit, die mit der Konzeption eines Buches verbunden ist.
    Darum habe ich mich bei meinem ersten Mal ganz bewusst für ein möglichst kleines, einfaches Buch entschieden – die Hürde sollte möglichst niedrig sein. Ich wählte eine Idee zu einem Pappbilderbuch, die ich schon lange in der berühmten Schublade hatte. Meine Tochter war genau im richtigen Alter, alles passte wunderbar.
    Die Arbeit an diesem ersten eigenen Buch „Nur noch kurz die Ohren kraulen“ war so befriedigend, dass ich mich dazu entschied, mehr eigene Bücher zu schreiben. Es folgten zwei Fortsetzungen und gerade erscheint mein erstes Bilderbuch „Zwei für mich, einer für dich“, ebenso wie die anderen, im Moritz Verlag, Frankfurt.

    Wenn die Idee steht, wie geht’s dann weiter bis zum fertigen Buch? Können Sie uns das zusammenfassen? 

    Ich habe keine Routine bei der Umsetzung eigener Ideen. Immer mal wieder habe ich Buchideen oder Bruchteile von Ideen, die notiere ich. Dann habe ich viele Zweifel und finde alles schwach. Allerdings gibt es ein paar Ideen, die mir nicht mehr aus dem Kopf gehen. Der erste Schritt ist nun vielleicht der entscheidende: Die vage Idee muss so weit vorangetrieben werden, bis sie funktioniert. Ich reiße mich zusammen und mache mich an die Schwerstarbeit. 

    Ich zeichne ein grobes Storyboard, arbeite am Konzept, am Text, am Ton, am Rhythmus des Buches. Die Bilder spielen eine untergeordnete Rolle. Sie sind sehr grob, interessieren mich zu diesem Zeitpunkt kaum. Das Ergebnis wird dem Verlag vorgestellt. Wenn es gefällt, werden die Rahmenbedingungen vereinbart: Erscheinungstermin, Format, Seitenanzahl und so weiter.

    Danach folgen die Textarbeit und das Feilen am Storyboard. Wenn alles steht, werden die Illustrationen ausgearbeitet. 

    Wie sieht der Entstehungsprozess einer Illustrationsarbeit aus – von Anfang bis Ende? Ist er immer gleich oder gibt es je nach Auftrag unterschiedliche Herangehensweisen?

    Ich mache einen großen Teil der Zeichenarbeit mit Bleistift auf Papier. Oft brauche ich ein paar Tage, um in ein neues Projekt hineinzukommen. Ich lese das Manuskript, kritzele erste Assoziationen, recherchiere Details im Internet, versuche mich an den Hauptfiguren. Im nächsten Durchgang mache ich sehr kleine, sehr grobe Skizzen aller Bilder. Danach wird der Rhythmus überprüft (große Bilder, kleine, volle, leere etc) und die Skizzen werden korrigiert und überarbeitet. 

    Schließlich scanne ich alles ein und bringe meine winzigen Skizzen ins richtige Format. Die Ausdrucke davon überarbeite ich – bin ich mit ihnen zufrieden, pause ich sie am Leuchttisch durch. 

    Die fertigen Schwarz-Weiß-Zeichnungen scanne ich wieder ein. Oft setze ich sie aus mehreren Teilen zusammen, die ich einzeln gezeichnet habe. Die montiere und koloriere ich dann digital im Photoshop – und fertig! Die Vorgehensweise ist immer gleich. 

    Damit ich mich nicht zu sehr langweile, probiere ich beim Reinzeichnen (also dem Durchpausen auf dem Leuchttisch) manchmal neue Techniken aus, verwende Tuschefedern, Pinsel oder Buntstifte.

    Allein mein letztes Bilderbuch („Zwei für mich“) habe ich zum ersten Mal nicht am Rechner koloriert. Das war sehr aufregend!

    Was reizt Sie am Medium Bilderbuch? Warum illustrieren Sie vor allem für Kinder?

    Das habe ich mich auch schon oft gefragt. Keine Ahnung. Es macht mir Spaß.

    Was inspiriert Sie? 

    Das ist sehr schwer zu sagen. Alles Mögliche, tendenziell eher Unscheinbares, Unauffälliges, Details. Aber natürlich auch das Übliche: Fernreisen und Buchmessen, andere Illustratoren und freie Künstler. Bücher, Filme. Doch auch da sind es meist nur Momente, Geistesblitze, die etwas auslösen. 

    Wie kommen Sie zu Ihren Ideen oder die Ideen zu Ihnen? Müssen Sie manchmal tief danach graben oder sprudeln die eher so heraus?  

    Ich habe viele Ideen. Die sprudeln. Doch Ideen sind vage, und sehr viele von denen, die ich habe, sind leider einfach nicht besonders gut. Die Arbeit besteht darin, sie zu sortieren und mich zu entscheiden, welche ich verfolge und welche ich fallen lasse. Und dann schließlich und vor allem so lange an ihnen zu sägen, zu raspeln und zu feilen, bis sie rund sind.

    Muss man nahe an Kindern sein, um für sie zu illustrieren? Oder sind Sie nie weiter weggewesen?  

    Ich habe 15 Jahre Kinderbücher illustriert, ohne Kontakt zu Kindern zu haben. 

    Meine Leidenschaft galt viel mehr Kinderbüchern (und vor allen Dingen Comics). Ich habe nie aufgehört, sie zu lieben und zu lesen. Doch ich befürchte, der kindliche Leser war mir (zumindest bis zur Geburt meiner Tochter) nicht so wichtig. Ich ging davon aus, dass Kinder (so wie Erwachsene auch) unterschiedliche Geschmäcker haben. Und da ich die nicht kannte und man sowieso nichts machen kann, was allen gefällt, ging es mir in erster Linie darum, Illustrationen zu machen, die mir gefallen. So, nun ist es raus. Über das Kind in mir kann ich wenig sagen, das sollen andere beurteilen. 


    Die erwähnten Titel von Jörg Mühle sind alle im Moritz Verlag, Frankfurt erschienen:

    Nur noch kurz die Ohren kraulen?
    Tupfst du noch die Tränen ab
    Badetag für Hasenkind
    Viele Grüße, deine Giraffe
    Zwei für mich, einer für dich

    Von Irina Kessler

    [:]

  • Von Toast mit ohne alles und anderen Traurigkeiten

    Wenn ich von Kinderarmut lese, komme ich oft kurz ins Stutzen, weil das Wort etwas Widersprüchliches hat. Er klingt, als wären die Kinder allein arm und die dazugehörigen Erwachsenen nicht. Ich assoziiere damit auch, dass die Kinder etwas ändern könnten, aber die Krux an der Sache ist ja, dass sie an den Erwachsenen dranhängen und damit auch an deren Armut.

    Hier in Deutschland wird die Diskussion über Kinderarmut manchmal polemisch geführt, zum Beispiel mit dem Hinweis, dass in unseren Breiten keiner verhungern müsse, weshalb es nicht so schlimm sei. Das kann sein, auch von Spaghetti mit Ketchup und Toastbrot ohne nix, wie Kinder sagen würden, kann man überleben. Die Frage ist nur, ob das unser Maßstab sein soll – in Deutschland und der Schweiz, die zu den reichsten Ländern der Welt gehören. Aktuell ist in der Schweiz jedes 8. Kind von Armut betroffen oder bedroht (1). In Deutschland lebt fast jedes 7. Kind unter 18 Jahren von Hartz IV (2). Denn abgesehen vom Hunger geht es natürlich um viele andere Aspekte.

    Die Gründe für Armut sind komplex und vielfältig. Sie reichen von prekären Beschäftigungs-verhältnissen über Krankheit, Scheidung, Migration bis hin zu alleinerziehenden Elternteilen. Und die Ursachen der Armut bleiben häufig bestehen. Wird ein Elternteil schwer krank, bedeutet das in Deutschland häufig ein Abrutschen in die Harz IV-Schleife. Die Familien haben im Alltag nicht nur mit der Krankheit, sondern auch mit Armut zu kämpfen und die Kinder sind doppelte Verlierer. 

    Denn Armut bedeutet in unseren Ländern eben nicht, dass man nur keine Markenklamotten bekommt und ein Urlaub im Jahr gestrichen ist. Sie bedeutet, in schlechten Wohnlagen zu wohnen, die von Enge, Feuchtigkeit, Lärm und häufig auch Verwahrlosung und Gewalt geprägt sind. Und in denen Kinder inmitten von Drogenmissbrauch, Kriminalität und Aussichtslosigkeit aufwachsen und kaum Vorbilder haben, die ihnen zeigen, wie sie sich aus der Misere befreien können.

    Sie bedeutet auch, sich schlechter zu ernähren und eher Übergewicht oder chronische Krankheiten zu entwickeln. Darüber hinaus hat sie viel mit sozialer Ausgrenzung zu tun, weil man nicht auf Klassenfahrten mitkann und ein Schwimmbadbesuch ebenso unerschwinglich ist wie die Kugel Eis, die sich die Mitschüler leisten können. Wenn das ein Dauerzustand ist, dann ist das schlimm, weil einen irgendwann keinen mehr fragt, ob man mitkommen will. Und wir reden hier nicht von Kino, Ferienlagern, Skiurlauben oder anderem, wir reden von einer Kugel Eis.

    Armut führt auch dazu, dass Kinder ein schlechtes Selbstwertgefühl und Lernschwächen entwickeln. Für mich ist es fast das Perfideste daran, dass dadurch Armut zementiert wird. Man wird nicht einfach erwachsen und lebt dann ein anderes Leben, sondern hat eben nicht dieselben Lebenschancen wie die Mitschüler aus nicht armen Familien. Vor diesem Hintergrund sind Bibliotheken ebenso wie Leseförderungsprojekte von essentieller Wichtigkeit. Sie bieten Zugang zu fast kostenfreien Medien und ermöglichen es Kindern, sich Lese- und Textkompetenzen anzueignen und positive Lernerfahrungen zu machen.

    Möglicherweise ist der Begriff Kinderarmut also doch nicht so irreführend wie ich dachte, denn er zeigt, wie stark Armut Kinder in Bezug auf ihre eigenen Leben und ihre Zukunft prägt. Und ich fände es schön, wenn wir als Gesellschaften unseren Kindern durch die richtige Förderung wenigstens die Möglichkeit geben würden, sich selbst für ein anderes Leben zu entscheiden.  Wenn wir schon nicht so kreativ sind, uns bessere Mindeststandards für unseren Nachwuchs auszudenken und zu implementieren.

    Irina Kessler

     

    Quellen:

    1. https://www.caritas.ch/de/was-wir-sagen/unsere-aktionen/kinderarmut-in-der-schweiz.html
    2. https://www.srf.ch/news/schweiz/kampf-gegen-kinderarmut-caritas-fordert-nationale-strategie
    3. https://www.tagesschau.de/inland/kinder-hartz-vier-101.html

    Für zwölf Wochen sind Irina und Edda von der Textagentur Kessler & Eckhardt zu Gast bei den Buchpaten. Beide texten, lektorieren und bloggen was das Zeug hält unter: www.abenteuerspielplatz.agency.

  • Aus dem Kinderbuchladen Zürich

    Würde ich auf eine einsame Insel versetzt und dürfte aus zwei Berufsgruppen je eine Person mitnehmen – ich müsste nicht lange nachdenken: eine Hebamme und eine Buchhändlerin/einen Buchhändler. Ich würde die Nerven verlieren, die Hebamme würde sie behalten und die Buchhändlerin/der Buchhändler würde uns dann eine Geschichte erzählen.

    Zufällig will ich heute aber nicht stranden – dafür aber viel erfahren. Und zwar über Eltern und deren Bucheinkaufsverhalten, über Glitzerbücher, Ästhetik versus Masse und den heutigen Bilderbuchmarkt. Wie gut, dass es Buchhändler gibt, mit denen man nicht nur sehr gut auf einer einsamen Insel festsitzen kann – sondern die auch noch sehr viel wissen: über Bücher, Leser, Eltern, Kinder und das Leben im Allgemeinen. Und so mache ich mich auf den Weg ins Zürcher Niederdorf, wo man den Kinderbuchladen findet. Hier wartet schon Marion Arnold, die sich dankenswerter Weise Zeit genommen hat. Beim Gespräch ebenfalls teilnehmend ist meine kleine Tochter Magali, die zwar im Kinderwagen liegt und schlafen soll, stattdessen aber die gelbe Denkermütze aufgesetzt hat und lautstark miterzählt.

    Gibt es eigentlich schlechte Bücher, will ich von Frau Arnold wissen. Ich meine: die Buchhandlungen sind voll – da liegt ja der Verdacht nahe, dass schon auch ziemlicher Käse dabeisein wird. Nein, antwortet mir Frau Arnold, schlechte Bücher gäbe es nicht. Aber Bücher, die weniger nachhaltig sind als andere. Ich denke an die pink glitzernden Pinzessinnen-Bücher, die meine Tochter immer so begeistert beäugt und gegen die ich mich mit ganzem Körpereinsatz wehre. Solche Bücher, erklärt sie mir, würden sich die Kinder gerne mal aussuchen, sogar durchaus auch zu Recht – die würden dann nach mehrmaligem Anschauen aber oft genauso leise wieder verschwinden. Nachhaltige Bücher hingegen würden zu Freunden werden, die einen über lange Zeit begleiten. Das mache aber die weniger nachhaltigen Bücher noch lange nicht zu schlechten Büchern. Eine eigene Ästhetik und einen eigenen Geschmack lernt man schließlich dadurch, dass man Dinge ausprobiert und Erfahrungen sammelt. Selbst solche mit viel Glitzer!

    Ob denn oft die Kinder selbst ihre Bücher aussuchen, frage ich. Nein, meint Frau Arnold, meistens sind es schon die Eltern. Und die würden die Kaufentscheidung auch in der Regel alleine treffen. Beratungen gebe es zwar schon – das seien dann aber eher die Großeltern oder Erzieher, die das Gespräch suchen würden. Eigentlich schade, finde ich. Lässt man sich auf Empfehlungen ein, dann trifft man bestimmt oft auch auf Bilder, Themen oder Geschichten, die man sich für das eigene Kind nicht ausgesucht hätte. Wahrscheinlich trauen wir unseren Kindern auch zu wenig zu, was Ästhetik, Themenvielfalt und auch Komplexität anbelangt – gerade, weil wir sie so gut kennen und meinen zu wissen, was ihnen gefällt oder (besonders perfide!) was doch mal schön/wertvoll/fördernd/fordernd/ansprechend für sein könnte.

    Wie ist das denn mit dem Vorlesen an sich, will ich wissen. Gibt es Eltern, die sich Anregungen zum Vorlesen holen? Wie man mal anders vorlesen könnte, zum Beispiel. Das komme eigentlich nicht vor, meint Frau Arnold und erzählt mir, dass sie sich sicher sei, dass die Bücher, die den Laden verlassen, auch daheim gemeinsam gelesen werden würden. Schwieriger sei es bei den Leuten, die gar nicht erst in den Kinderbuchladen hereinkämen: Schwellenangst.

    Sie würde das bei Angeboten rund ums Vorlesen merken, sobald man sie aus den Buchhandlungen raus- und mehr in die Lebensrealität vieler Familien hereinholt. Gemeinschaftszentren, Schulhäuser – bei Veranstaltungen an diesen Orten sei das Interesse bei Bildungsangeboten zum Thema Vorlesen sehr groß und viele Eltern motiviert, Inspirationen mitzunehmen und auch umzusetzen.

    Ich denke nochmal über die Schwellenangst nach und darüber, dass es nicht ohne ist, in eine Buchhandlung hineinzugehen. Das Angebot ist immens. Hat man selber nun keinen Bezug zu Büchern ist es praktisch unmöglich, sich zu orientieren. Und ich persönlich finde es mutig, wenn man sich dann an eine Fachkraft wendet und sagt: Ich kenne mich nicht aus, brauche Hilfe. Zeigen Sie mir doch mal was!

    Wir wollen ja immer Experten sein, wenn es um unsere

    Kinder geht. Und dabei auch möglichst keine Schwächen zugeben.

    Wie sie denn mit diesem riesigen Angebot umgehe, frage ich Frau Arnold. Das Angebot sei riesig, bestätigt sie. Der Markt würde von Trendthemen dominiert, die dann alle Verlage in unterschiedlichen Qualitäten mitmachen. Interessanterweise würde das dazu führen, dass manche Themen zeitweise fast völlig verschwinden, obwohl es die Nachfrage geben würde. Was so ein Trendthema derzeit sei, will ich wissen. Bienen, antwortet sie mir und wir müssen beide lachen. Das Trend-auslösende Bienen-Buch liegt nämlich bei mir daheim auf dem Buchstapel neben dem Sofa und keiner will es anschauen – außer mir. Und ich will es anschauen, weil ich will, dass meine Kinder es endlich toll finden. So können Trends im Markt eben auch entstehen.

    Wie das denn mit Masse versus Qualität im derzeitigen Markt sei? Frau Arnold erzählt, dass gerade in den letzten zwei Jahren einige neue Verlage auf den Markt getreten seien, die sehr hochwertige und ästhetisch anspruchsvolle Bücher publizieren. Kleine Gestalten nennt sie als Beispiel und den Laurence King Verlag. Sie stelle fest, dass es eigentlich immer mehr die weniger nachhaltigen Bücher seien, die sich schwertun. Und mehr Eltern das anspruchsvolle Bilderbuch entdecken und fördern würden. Ob manche davon zu Bienen-Phänomenen werden, wissen wir beide nicht.

    Vielen Dank an Marion Arnold vom Kinderbuchladen im Niederdorf/Zürich – für das schöne Gespräch, ihre Zeit und dafür, dass sie sich zu keinem Zeitpunkt vom lautstark diskutierenden Säugling mit der gelben Denkermütze hat stören lassen.

    Edda Eckhardt

  • The Secrets of the Stars

    Von Edda Eckhardt

    Wir Eltern einigen uns naturgemäß ja nur auf wenig: Entwicklungsstufen, Impfungen, Schuhe mit Einlagen, Privatschulen und Erdnüssen – alles so Sachen, über die man sich lange streiten kann und jeder das Patentrezept kennt. Über das Vorlesen streiten wir uns allerdings nicht, denn die Vorzüge sind gemeinhin bekannt. Wer vorliest, schafft seinen Kindern eine Basis für so ziemlich alles, trägt zum akademischen Erfolg bei, verbringt „quality time“ mit ihnen und kommt auch noch sehr elegant drum herum, in dieser Zeit so tun zu müssen, als sei man ein Pferd oder das Baby. Ein echter Gewinn für alle Seiten!

    Was aber ist es, das das Vorlesen so wertvoll macht? Und zwar nicht nur für unsere Kinder, sondern vor allem für uns als Eltern, Großeltern, Erzieher. Ich behaupte, dass der wirkliche Wert und Zauber darin liegt, dass wir gemeinsam mit den uns anvertrauten Kindern in ferne Welten reisen, Abenteuer erleben und uns auf Ebenen begegnen, die frei sind von Machtkämpfen und dem ganzen alltäglichen Zwist. Dass wir uns als Menschen gegenüberstehen, auf Augenhöhe und Gefühle, Ängste, Lust gleichviel wiegen. Die Magie des Lesens resultiert aus der Gemeinsamkeit. Und wer die Buchstaben decodiert, ist doch schlussendlich egal.

    Spricht man mit denen, die regelmäßig und sehr reflektiert gemeinsam mit Kindern lesen, dann stellt man fest, dass die Begegnung mit- und über einem Text weit über das eigentliche Lesen hinausgeht. Bei den Buchpaten ist es das Dialogische Lesen, das Kinder aus passiven Zuhörern in Piloten von fliegenden Geschichten-Teppichen verwandelt. Das Buch wird hierbei als Ausgangspunkt eines Dialogs zwischen Erwachsenen und Kindern genommen und schafft Anregungen, Ansporn und Anlass für Gespräche.

    Das Kinderliteraturhaus LesArt in Berlin arbeitet stark mit dem sinnlichen Umgang mit Texten und konzipiert Lesungskonzepte, bei denen mitunter nicht ein einziges Wort vorgelesen wird .. die Kinder aber hinterher gesamte Bücher erlebt haben.

    Wir als ratio-getriebene Große verlassen uns zu stark darauf, dass es schon reichen werde, wenn wir uns hinsetzen und lesen. Dabei verpassen wir dabei eigentlich das Beste: Wenn aus Zuhörern Akteure werden, wenn sich passiv in aktiv verwandelt und wir in die Herzen, Seelen, Träume und Ängste von Kindern eintreten dürfen.

    Nun muss man sich nicht gleich auf einem Besenstiel sitzend von der heimischen Couch stürzen, um den Zauber der Harry Potter-Bücher zu vermitteln. Aber man kann sich überlegen, wie Bertie Botts Popel-Bohnen eigentlich wirklich schmecken. Und was man selber gerne aus dem Sprechenden Hut ziehen möchte.

    Texte sind immer Tore und ausnahmslos führen sie einen irgendwohin. Sie sind der Ausgangspunkt einer Reise – aber nicht zwingend auch der Schlußpunkt.

    „We owe it to each other to tell stories.“ schreibt Neil Gaiman, ein wunderbarer Geschichtenerzähler. Geben wir doch den Büchern Raum, ihren Zauber ganz entfalten zu können – und uns, ihm gemeinsam zu erliegen.

     

    Für zwölf Wochen sind Irina und Edda von der Textagentur Kessler & Eckhardt zu Gast bei den Buchpaten. Beide texten, lektorieren und bloggen was das Zeug hält unter: www.abenteuerspielplatz.agency.

  • [:de] „Der Mann mit dem Regenschirm im Kopf“  Von der wunderbaren, wilden Welt im Bilderbuch [:]

    [:de] „Der Mann mit dem Regenschirm im Kopf“ Von der wunderbaren, wilden Welt im Bilderbuch [:]

    [:de]Der Mann mit dem Regenschirm im Kopf

    Von Edda Eckhardt

    Jeder kennt das: Es gibt Bücher, die liest man liebend gerne gemeinsam mit den Kindern und es gibt solche, die liest man eben. Und dann gibt es die, die man richtig gerne liest und feststellt, dass die Kinder ganz andere Sachen so echt richtig wirklich toll finden als man selbst. Macht ja nichts, denkt sich der aufgeklärte Erwachsene, Bücher funktionieren auf verschiedenen Ebenen und lächelt dabei weise. Dann merkt man aber, dass diese andere Ebene durchaus bei manchen Büchern auch etwas mit deren Abgründigkeit zu tun hat. Und ich als vermeintlich liberale Mutter erstmal leerschlucken musss.

     

    Aber vielleicht von Anfang an: Es gibt bei uns zuhause Bücher, die mit geradezu fanatischer Hartnäckigkeit immer wieder zum Lesen angeschleppt werden. Die Bilderbücher von Tomi Ungerer, Maurice Sendak, Jean de Brunhoff, F.K. Waechter – ich kann „Das Biest des Monsieur Racine“ vorlesen, selbst wenn man mich an den Füßen hängend vom Eiffelturm schleudern sollte. Dasselbe gilt für „Wo die wilden Kerle wohnen“, „Da bin ich“, „In der Nachtküche“ und vor allem für „Die Abenteuer der Riesenbirne“. Bücher, die wir wieder und wieder anschaffen müssen, weil sie zerschlissen werden und irgendwann beim Anschauen auseinanderfallen. Schaut man sich diese Bücher gemeinsam mit meinen Kindern an, wird allerdings schnell klar, dass es nicht die Ästhetik der Bilder ist, die spannende Farbgebung, die skurrile Geschichte, die begeistern. Das alles sind mehr oder weniger meine Gründe, warum ich nicht müde werde, die Bücher zu zeigen. Die Gründe meiner Kinder sind andere.

    Schauen wir uns zum Beispiel „Das Biest“ an, warten sie sehnsüchtig auf die Seiten, wo die beiden Kinder aus der faltigen Haut des Biestes kriechen. Schon allein, dass sich das Biest häutet und Kinder kriechen raus, löst bei uns begeistertes Gemurmel unter den Zuhörern aus. Und dann geht es los: Im Saal der Universität, wo das Biest präsentiert wird, bricht Tumult aus. Ein Mann reißt einer Frau die Perücke vom Kopf, einer anderen Frau steckt ein Füllfederhalter in der Nase und Tinte rinnt ihr übers Gesicht, da werden Kleider runtergerissen und blanke Brüste verdeckt, Fäuste fliegen, der Vorhang steht in Flammen – Saalschlacht. Dann kommt die Doppelseite, auf die sich alle freuen: die Straßenschlacht. Da stecken Passanten einander den Arm bis zum Anschlag in den Rachen, Gesichter sind verzerrt, die Perspektive des Bildes kippt genauso wie Autos, die Straßenbahn und das Bewusstsein vieler Passanten. Ein Mann beschwert sich bei der Polizei, denn ihm steckt ein Regenschirm im Kopf – der Polizist zeigt ihm daraufhin seinen Armstumpf. Meine Kinder sind hellauf begeistert. Ich bin befremdet und frage mich, ob all meine pazifistischen Erziehungsversuche denn umsonst waren. Erziehe ich hier vielleicht die nächste Generation von Soziopathen und werden meine Kinder irgendwann johlend mit Eishockeymasken über dem Gesicht das Elternhaus anzünden. Wahrscheinlich eher nicht. Was also ist passiert?

     

    Geschichten haben über eine lange Zeit allen Menschen gehört: Großen und Kleinen. Irgendwann aber fanden die Großen, dass man den Kleinen doch nicht so viel zumuten solle. Geschichten müssten kindgerecht sein und einen Weltausschnitt abbilden, den man auch verarbeiten könne. Bis zum Hoppelhäschen war es dann nur noch ein kleiner Schritt. Glücklicherweise hat sich auch diese Entwicklung mit der Zeit wieder relativiert und es wurden Forderungen laut, man möge der Realität wieder Raum geben – auch und gerade im Kinderbuch. Heute leben das Hoppelhäschen und der Mann mit dem Regenschirm im Kopf in friedlicher Koexistenz. Und trotzdem verstört uns als Erwachsene die aufgeregte Lust unserer Kinder an Bildern, bei denen detailliert hinzuschauen wir uns selber manchmal zwingen müssen. Oder deren ästhetische Wucht selbst uns noch die Gänsehaut den Arm hochkriechen lässt. Das ist schade! Schauen wir hin, fragen wir unsere Kinder danach – oder lassen sie in ihrer aufgeregten Lust ganz bei sich. Beides ist in Ordnung. Ich würde mir für meine Kinder ganz viel Hoppelhäschen wünschen und weiß doch, dass das so nicht klappt. Sie hauen drauf und stecken ein, sie finden es toll, wenn man sich mal gegen jemanden zusammenschließen können, sind fies und spüren dann Macht, sie sind einsam. Manchmal bricht es ihnen das Herz, so dass sie tagelang nicht essen können. Und manchmal ist die Welt so wild und groß und wunderbar, dass man nur noch laut schreien kann.

     

    Autoren wie Ungerer, Sendak, Waechter und vielen anderen gehört mein Herz – denn sie haben Räume geschaffen, in die meine Kinder gehen können, um all diese Gefühle abzuladen. Wohlbehütet vor meinem elterlichen Zugriff.

     

     

    Für zwölf Wochen sind Irina und Edda von der Textagentur Kessler & Eckhardt zu Gast bei den Buchpaten. Beide texten, lektorieren und bloggen was das Zeug hält unter: www.abenteuerspielplatz.agency.

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  • [:de]Der Mann mit dem Regenschirm im Kopf[:]

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    Jeder kennt das: Es gibt Bücher, die liest man liebend gerne gemeinsam mit den Kindern und es gibt solche, die liest man eben. Und dann gibt es die, die man richtig gerne liest und feststellt, dass die Kinder ganz andere Sachen so echt richtig wirklich toll finden als man selbst. Macht ja nichts, denkt sich der aufgeklärte Erwachsene, Bücher funktionieren auf verschiedenen Ebenen und lächelt dabei weise. Dann merkt man aber, dass diese andere Ebene durchaus bei manchen Büchern auch etwas mit deren Abgründigkeit zu tun hat. Und ich als vermeintlich liberale Mutter erstmal leerschlucken musss.

    Aber vielleicht von Anfang an: Es gibt bei uns zuhause Bücher, die mit geradezu fanatischer Hartnäckigkeit immer wieder zum Lesen angeschleppt werden. Die Bilderbücher von Tomi Ungerer, Maurice Sendak, Jean de Brunhoff, F.K. Waechter – ich kann „Das Biest des Monsieur Racine“ vorlesen, selbst wenn man mich an den Füßen hängend vom Eiffelturm schleudern sollte. Dasselbe gilt für „Wo die wilden Kerle wohnen“, „Da bin ich“, „In der Nachtküche“ und vor allem für „Die Abenteuer der Riesenbirne“. Bücher, die wir wieder und wieder anschaffen müssen, weil sie zerschlissen werden und irgendwann beim Anschauen auseinanderfallen. Schaut man sich diese Bücher gemeinsam mit meinen Kindern an, wird allerdings schnell klar, dass es nicht die Ästhetik der Bilder ist, die spannende Farbgebung, die skurrile Geschichte, die begeistern. Das alles sind mehr oder weniger meine Gründe, warum ich nicht müde werde, die Bücher zu zeigen. Die Gründe meiner Kinder sind andere.

    Schauen wir uns zum Beispiel „Das Biest“ an, warten sie sehnsüchtig auf die Seiten, wo die beiden Kinder aus der faltigen Haut des Biestes kriechen. Schon allein, dass sich das Biest häutet und Kinder kriechen raus, löst bei uns begeistertes Gemurmel unter den Zuhörern aus. Und dann geht es los: Im Saal der Universität, wo das Biest präsentiert wird, bricht Tumult aus. Ein Mann reißt einer Frau die Perücke vom Kopf, einer anderen Frau steckt ein Füllfederhalter in der Nase und Tinte rinnt ihr übers Gesicht, da werden Kleider runtergerissen und blanke Brüste verdeckt, Fäuste fliegen, der Vorhang steht in Flammen – Saalschlacht. Dann kommt die Doppelseite, auf die sich alle freuen: die Straßenschlacht. Da stecken Passanten einander den Arm bis zum Anschlag in den Rachen, Gesichter sind verzerrt, die Perspektive des Bildes kippt genauso wie Autos, die Straßenbahn und das Bewusstsein vieler Passanten. Ein Mann beschwert sich bei der Polizei, denn ihm steckt ein Regenschirm im Kopf – der Polizist zeigt ihm daraufhin seinen Armstumpf. Meine Kinder sind hellauf begeistert. Ich bin befremdet und frage mich, ob all meine pazifistischen Erziehungsversuche denn umsonst waren. Erziehe ich hier vielleicht die nächste Generation von Soziopathen und werden meine Kinder irgendwann johlend mit Eishockeymasken über dem Gesicht das Elternhaus anzünden. Wahrscheinlich eher nicht. Was also ist passiert?

    Geschichten haben über eine lange Zeit allen Menschen gehört: Großen und Kleinen. Irgendwann aber fanden die Großen, dass man den Kleinen doch nicht so viel zumuten solle. Geschichten müssten kindgerecht sein und einen Weltausschnitt abbilden, den man auch verarbeiten könne. Bis zum Hoppelhäschen war es dann nur noch ein kleiner Schritt. Glücklicherweise hat sich auch diese Entwicklung mit der Zeit wieder relativiert und es wurden Forderungen laut, man möge der Realität wieder Raum geben – auch und gerade im Kinderbuch. Heute leben das Hoppelhäschen und der Mann mit dem Regenschirm im Kopf in friedlicher Koexistenz. Und trotzdem verstört uns als Erwachsene die aufgeregte Lust unserer Kinder an Bildern, bei denen detailliert hinzuschauen wir uns selber manchmal zwingen müssen. Oder deren ästhetische Wucht selbst uns noch die Gänsehaut den Arm hochkriechen lässt. Das ist schade! Schauen wir hin, fragen wir unsere Kinder danach – oder lassen sie in ihrer aufgeregten Lust ganz bei sich. Beides ist in Ordnung. Ich würde mir für meine Kinder ganz viel Hoppelhäschen wünschen und weiß doch, dass das so nicht klappt. Sie hauen drauf und stecken ein, sie finden es toll, wenn man sich mal gegen jemanden zusammenschließen können, sind fies und spüren dann Macht, sie sind einsam. Manchmal bricht es ihnen das Herz, so dass sie tagelang nicht essen können. Und manchmal ist die Welt so wild und groß und wunderbar, dass man nur noch laut schreien kann.

    Autoren wie Ungerer, Sendak, Waechter und vielen anderen gehört mein Herz – denn sie haben Räume geschaffen, in die meine Kinder gehen können, um all diese Gefühle abzuladen. Wohlbehütet vor meinem elterlichen Zugriff.

    Von Edda Eckhardt

    Für zwölf Wochen sind Irina und Edda von der Textagentur Kessler & Eckhardt zu Gast bei den Buchpaten. Beide texten, lektorieren und bloggen was das Zeug hält unter: www.abenteuerspielplatz.agency.

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  • [:de]Was Leseförderung alles können soll[:]

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    Leseförderung – klingt furchtbar sperrig und hat ein erklärtes Ziel: Kinder und Jugendliche zum Lesen zu bringen. Die Ansätze, die dahin führen, sind so unterschiedlich wie die Zielgruppen selbst. Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels zum Beispiel veranstaltet seit vielen Jahrzehnten den Vorlesewettbewerb, bei dem Kinder selbst zu Vorlesern werden. Das Erstaunliche daran ist, dass häufig auch Kinder gewinnen, die sich aus Büchern vorher nicht soviel gemacht hatten, dann aber feststellen, dass ihnen das Vorlesen sehr liegt.

    Nicht wenige Verlage haben Mitmachportale, bei denen Jugendliche gemeinsam mit Autoren an Texten schreiben. Es gibt Blogs, geschrieben von Jugendlichen für Jugendliche, oder Poetry-Slam-Workshops von Wortakrobaten wie Sven Kamin an deutschen Schulen.

    Die Buchpaten setzen früh beim Vorlesen im Elternhaus an und beziehen Eltern und Kinder gleichermaßen ein. Auch hier ist der Kernmoment des Ganzen, die Hauptakteure aktiv werden zu lassen, damit sie miteinander und mit den Büchern in Kontakt kommen. Je früher das im Leben von Kindern geschieht, desto besser – und wenn die Eltern mit im Boot sind, natürlich umso mehr. Nur so erfahren sie, was in Büchern drin ist und dass sie für jeden da sind.

    Darin liegt für mich das Grundverständnis von Leseförderung. Nicht so sehr in dem elitären Wunsch, dass am Ende alle mal Goethe oder Dürrenmatt gelesen haben sollten. Klar wäre es schön, wenn wir alle Hochliteratur genießen könnten. Tun wir aber nicht. Jeder hat andere Vorlieben, und ein zu großer Teil von Kindern und Jugendlichen hat nicht die nötige Textkompetenz, um Texte für sich zu nutzen. Dabei brauchen wir sie ständig, nicht nur zur Unterhaltung, sondern um Berufe zu lernen, uns weiterzubilden und im Leben zurecht zu kommen. Wir brauchen die Kompetenz, nicht nur einzelne Worte lesen zu können, sondern uns den gesamten Text zu erschließen, ihn schnell auf Informationen zu scannen und Schlussfolgerungen aus ihm zu ziehen. Die erhalten wir am besten, indem wir lesen oder Sprache benutzen.

    Gelungene Leseförderung besteht für mich darin, Kindern und Jugendlichen zu zeigen, dass Texte etwas mit ihnen zu tun haben. Sie müssen nur die richtigen für sich finden. Das ist ein ganz zentraler Punkt. Das muss nicht unbedingt Literatur sein, sondern auch Zeitschriften, Fußballbücher, Sachbücher oder Gebrauchsanweisungen tun es. Denn je mehr wir überhaupt lesen, desto besser können wir es und desto öfter greifen wir auf Textmedien zurück.

    Von Erwachsenen, die ungern lesen, höre ich oft, dass sie hohe Ansprüche an sich haben. Manche versuchen, jeden einzelnen Satz eines Buches genau aufzunehmen. Andere behandeln Bücher wie Heiligtümer und halten es für ein Sakrileg, Seiten zu knicken. Vor lauter Hochachtung benutzen sie sie gar nicht. Wieder andere erwarten von sich, alle Beschreibungen detailgenau vor ihrem geistigen Auge zu sehen.

    All das kann man natürlich machen und es mag innerliche Aufschreie geben, wenn ich mich hier für das Knicken von Buchseiten ausspreche. Was ich aber meine, ist, dass jeder die Bücher finden sollte, die zu ihm passen und für sich entscheiden sollte, wie er sie nutzen möchte. Es sind Gebrauchsgegenstände, sie wurden auf Papier gedruckt, damit wir sie lesen. Gern gelesene Bücher zerfleddern, das ist wie mit der Lieblingshose. Es gibt keine Textpolizei, die prüft, ob man sich das Zimmer, das der Autor beschreibt, richtig vorstellt. Man kann Bücher schnell lesen oder langsam, es gibt unterhaltende und schwer verdauliche Texte. Und es gibt durchaus Streit darüber, was ein gutes Buch ist und was nicht – sogar in der Nobelpreiskommission. Darüber darf gern gesprochen werden – in der Leseförderung und auch zu Hause, mit dem Papa, auf dem Sofa, über seinen Lieblingstext.

    Text: Irina Kessler

    Für zwölf Wochen sind Irina und Edda von der Textagentur Kessler & Eckhardt zu Gast bei den Buchpaten. Beide texten, lektorieren und bloggen was das Zeug hält unter: www.abenteuerspielplatz.agency.

     [:]

  • Wer sucht, der findet

    Wer sucht, der findet

    [:de]

    Wir haben es geschafft!

    Dank viel Einsatz und Achselschweiss sind wir nun soweit, um sagen zu können: Uns geht die Zeit aus! Mit über zwei Mitmachlesungen pro Woche alleine im März und immer neuen Interessenten sehen wir uns gezwungen a) die Tage mit mehr Stunden auszustatten oder, wenn das nicht klappt, b) zusätzliche Vorleser und Vorleserinnen zu ergattern.

    Der erste offizielle «Buchpaten-Vorleser-Ausbildungskurs» hat mit vier Teilnehmern bereits begonnen und wir sind sehr erfreut darüber, was für prächtige Leute zusammengekommen sind! Ein ganz guter Haufen, wirklich! Und als ob die Aussicht auf eine tolle Zusammenarbeit nicht schon gut genug wäre, können wir uns sogar noch ein bisschen in der Prominenz der einen zukünftigen Vorleserin sonnen: Eva Mezger, eine der ersten Moderatorinnen des Schweizer Fernsehens. In dieser Funktion war sie mit Unterbruch bis 2004 tätig und spielte nebenbei auch in zwei Schweizer Filmproduktionen mit. Wir heissen sie und alle anderen herzlich willkommen!

    Möchtest auch Du als Vorleser oder Vorleserin an Mitmachlesungen die Herzen von Kindern erobern und sie mit auf Abenteuer nehmen? Dann melde Dich bei uns und wir versorgen Dich mit weiteren Infos!

    [:en]

    Wir haben es geschafft!

    Dank viel Einsatz und Achselschweiss sind wir nun soweit um sagen zu können: Uns geht die Zeit aus! Mit über zwei Mitmachlesungen pro Woche alleine im März und immer neuen Interessenten sehen wir uns gezwungen a) die Tage mit mehr Stunden auszustatten oder, wenn das nicht klappt, b) zusätzliche Vorleser und Vorleserinnen zu ergattern.

    Der erste offizielle «Buchpaten-Vorleser-Ausbildungskurs» hat mit vier Teilnehmern bereits begonnen und wir sind sehr erfreut darüber, was für prächtige Leute zusammengekommen sind! Ein ganz guter Haufen, wirklich! Und als ob die Aussicht auf eine tolle Zusammenarbeit nicht schon gut genug wäre, können wir uns sogar noch ein bisschen in der Prominenz der einen zukünftigen Vorleserin sonnen: Eva Mezger, eine der ersten Moderatorinnen des Schweizer Fernsehens. In dieser Funktion war sie mit Unterbruch bis 2004 tätig und spielte nebenbei auch in zwei Schweizer Filmproduktionen mit. Wir heissen sie und alle anderen herzlich willkommen!

    Möchtest auch Du als Vorleser oder Vorleserin an Mitmachlesungen die Herzen von Kindern erobern und sie mit auf Abenteuer nehmen? Dann melde Dich bei uns und wir versorgen Dich mit weiteren Infos!

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  • [:de]SAP Schweiz und Die Buchpaten engagieren sich gemeinsam[:]

    [:de]SAP Schweiz und Die Buchpaten engagieren sich gemeinsam[:]

    [:de]Jedes Jahr ermöglicht die SAP Schweiz ihren Mitarbeitern, sich für eine gemeinnützige Sache zu engagieren. An ihrem Volunteers Day werden die Mitarbeiter freigestellt und leisten gemeinnützige Arbeit. Dieses Mal haben wir, gemeinsam mit einigen SAP Mitarbeitern und dem Gemeinschaftszentrum Roos in Regensdorf, einen Vorlesenachmittag veranstaltet. Die SAP hatte intern zu einer Bücherabgabe aufgerufen. Viele Bilderbücher, aber auch Romane für Jugendliche, Comics und Märchen wurden gespendet. Auf mehreren Tischen bot sich eine reiche Auslage der gespendeten Bücher im Großen Saal des Gemeinschaftszentrums Roos. Die Buchpaten haben zwei Lesungen angeboten. Die Eltern und Kindern waren begeistert und blieben nach den Lesungen noch lange, aßen und tranken vom Buffet, das von der SAP spendiert wurde und gingen, bepackt mit Büchern, zufrieden nach Hause. Es war ein gelungener Nachmittag! Ein herzliches Dankeschön an die SAP Schweiz, für ihr Engagement und ihre großzügige Unterstützung der Buchpaten.[:]

  • [:de]Fördergelder der Sophie und Karl Binding Stiftung[:en]Donation by the Sophie and Karl Binding Foundation[:]

    [:de]Fördergelder der Sophie und Karl Binding Stiftung[:en]Donation by the Sophie and Karl Binding Foundation[:]

    [:de]

    Letzte Woche haben wir die Zusage für einen Förderbeitrag erhalten, der uns ermöglicht, unser Angebot durchzuführen und weiter auszubauen. Ein herzliches Dankeschön an die Sophie und Karl Binding Stiftung! Gerne stellen wir Euch diese interessante Stiftung und ihr Wirken vor.

    Die Sophie und Karl Binding Stiftung ist eine gemeinnützige und unabhängige Förderstiftung. Sie fördert Projekte in der Schweiz, die Bezüge zur Umwelt, Bildung, Kultur oder zu Sozialem aufweisen. Ihr Ziel ist es, die Schweiz und ihre Gesellschaft näher zusammenzubringen. Zu diesem Zweck stärkt und unterstützt sie die Integration und Verständigung der vier Sprachregionen sowie den Erhalt der Werte und Güter, die der Schweiz ihre Identität verleiht.

    [:en]Last week, we received confirmation of the support allowing us to continue and extend our services. A big thank you to the Sophie and Karl Binding Foundation! We would like to take a moment’s time to tell you about this foundation and its activities.

    The Sophie and Karl Binding Foundation is an independent non profit organization. It supports projects in Switzerland that relate to the environment, education, culture, or social integrity. Its goal is to bring Switzerland and the Swiss society closer together. For this purpose, the Sophie and Karl Binding Foundation strengthens and supports the integration of and the communication between the four language regions, as well as the preservation of the values and goods vital to the Swiss identity.[:]

  • [:de]Stiftung Mercator verlängert ihr Förderungsengagement[:en]Financial Support of the Foundation Mercator renewed[:]

    [:de]Stiftung Mercator verlängert ihr Förderungsengagement[:en]Financial Support of the Foundation Mercator renewed[:]

    [:de]Die Brieftaube ist mit erfreulichen Neuigkeiten eingeflogen! Die Stiftung Mercator hat sich einmal mehr dazu bereit erklärt, uns für ein weiteres Jahr zu unterstützen. Wir danken herzlich dafür!

    Die Stiftung Mercator erhielt ihren Namen vom deutschen Kartografen Gerhard Mercator. Dieser wagte es als einer der ersten, in einem globalen Rahmen zu denken und Koordinaten zur Unterstützung des Welthandels einzuführen. Im Geiste ihres Namensgebers setzt sich die Stiftung Mercator unter anderem für Weltoffenheit und schrankenlosen Wissensaustausch ein. So hat sie auch schon etwa die Projekte Umweltschulen und ChagALL unterstützt.[:en]Our messenger pigeon has flown in great news! The Foundation Mercator has once more declared itself ready to support DIE BUCHPATEN for another year. We are very grateful for the contributions. Thank you!

    The Foundation Mercator derives its name from the German cartographer Gerhard Mercator. He was one of the first to dare think on a global scale and introduce worldwide coordinates to support the world trade. In the spirit of its eponym, the Foundation Mercator stands among other things for cosmopolitanism and an unrestricted exchange of knowledge. It has supported projects such as Umweltschulen and ChagALL.[:]

  • [:de]Unser neuer Förderer: Das Migros-Kulturprozent[:en]Our new Patron: the Migros Culture Percentage[:]

    [:de]Unser neuer Förderer: Das Migros-Kulturprozent[:en]Our new Patron: the Migros Culture Percentage[:]

    [:de]Heute morgen haben wir ein tolles Ostergeschenk erhalten: Das Migros-Kulturprozent hat uns geschrieben und für das kommende Jahr seine Unterstützung zugesagt. Das Migros-Kulturprozent ist ein freiwilliges Engagement der Migros für Kultur, Bildung und Gesellschaft und unterstützt grosse sowie kleine Projekte. Seit 1957 ist das Engagement der Migros fester Bestandteil ihrer Tätigkeiten. Eigene Unterfangen des Kulturprozents sind unter anderem Studienpreise, das Migros Museum für Gegenwartskunst oder die diversen Projekte von conTAKT.ch, die sich für Integration sowie für kulturellen Austausch einsetzen.

    Auch für dieses Jahr hat uns die Paul Schiller Stiftung einen Beitrag zugesagt. Sie unterstützt gemeinnützige Projekte, die ergänzend zur öffentlichen Hand eine integrative Gesellschaft und eine nachhaltige Entwicklung fördert. Die Stiftung wurde 1974 ins Leben gerufen und arbeitet seither mit dem Erben des Zürcher Unternehmers Paul Schiller. Unter anderem unterstützt sie den Verein a:primo, der sich für eine frühe Förderung sozial benachteiligter Kinder einsetzt. Das SIKJM wird ebenfalls unterstützt in ihrem Unterfangen, die Freude am Lesen von Kindern mit Migrationshintergrund zu fördern.

    Wir bedanken uns herzlich für die Zuwendungen![:en]This morning, we received a great easter gift: The Migros Culture Percentage has written us and promised us their support for the coming year. The Migros Culture Percentage is a voluntary commitment of the Migros dedicated to small and big projects in the fields of culture, education and society. It has been a core component of their activities since 1957. Some of their own projects are study prizes, the Migros Museum of Contemporary Art or the many activities of conTAKT.ch which concentrate on integration as well as cultural exchange.

    We are receiving even more support this year coming from the Paul Schiller Foundation. The foundation supports charitable projects that work in addition to projects of the public authority in promoting an integrative society and a sustainable evolution. The foundation was started in 1974 with the inheritance of the Swiss entrepreneur Paul Schiller. The Paul Schiller Foundation supports the organisation a:primo which is active in the early promotion of socially underprivileged children. The SIKJM also gets supported in its undertaking to strengthen the literacy of children with an immigration background.

    We thank both patrons for theirs generous support![:]